"Blütenlese" - SELMAS GEDICHTE

POEM

Ich möchte leben.
Ich möchte lachen und Lasten heben
und möchte kämpfen und lieben und hassen
und möchte den Himmel mit Händen fassen
und möchte frei sein und atmen und schrein.
Ich will nicht sterben. Nein.
Nein...

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AUGUST

Gedichtband Blütenlese von Selma
Gedichtband Blütenlese von Selma

(von Selma Meerbaum-Eisinger)

 

Es ist so kalt –

Geistergestalt

         Sitz’ ich da.

Der Regen weint

Mit mir vereint,

         Fern und nah.

 

Die Sehnsucht blaut

Mir nah vertraut

         Und bekannt.

Sie ist in mir

Und blickt zu dir

         Wie gebannt.

 

Von Tränen schwer

Gespenstisch leer

         Ist mein Blick.

Er sieht dich an

Voll Leid und kann

         Nicht zurück.

 

                   30.6.1941

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Copyright © 1980 by Hoffmann und Campe Verlag, Hamburg

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AUSZUG AUS "POEM"

(von Selma Meerbaum-Eisinger)

 

Ich möchte leben,

Ich möchte lachen und Lasten heben

Und möchte kämpfen und lieben und hassen

Und möchte den Himmel mit Händen fassen

Und möchte frei sein und atmen und schrein.

Ich will nicht sterben. Nein!

Nein...

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Copyright © 1980 by Hoffmann und Campe Verlag, Hamburg

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TRAGIK

(von Selma Meerbaum-Eisinger)

 

Das ist das Schwerste: sich verschenken

und wissen, dass man überflüssig ist,

sich ganz zu geben und zu denken

dass man wie Rauch ins Nichts verfließt.

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Copyright © 1980 by Hoffmann und Campe Verlag, Hamburg

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GEDICHT OHNE NAMEN

(von Selma Meerbaum-Eisinger)

 

Es ist so viel buntes Geschehen

so viel lebendes Leben um mich –

ich könnte atmen und sehen

und könnte das Schönste verstehen,

wenn ich eines nicht hätte: dich.

 

So aber bist du mir das Leben,

und das andre ist stumpf und leer.

Und alle Wellen verebben

und können mir gar nichts geben,

das so fern wär’ wie du und so schwer.

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Copyright © 1980 by Hoffmann und Campe Verlag, Hamburg

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AUSZUG AUS "TRÄUME"

(von Selma Meerbaum-Eisinger)

 

Es sind meine Nächte

durchflochten von Träumen,

die süß sind wie junger Wein.

Ich träume, es fallen die Blüten von Bäumen

und Hüllen und decken mich ein.

 

Und all diese Blüten,

sie werden zu Küssen,

die heiß sind wie roter Wein

und traurig wie Falter, die wissen: sie müssen

verlöschen im sterbenden Schein…

 

                        8.11.1941

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Copyright © 1980 by Hoffmann und Campe Verlag, Hamburg

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SCHLAFLIED FÜR DICH

(von Selma Meerbaum-Eisinger)

 

Komm zu mir, dann wieg’ ich dich,

wiege dich zur Ruh’.

Komm zu mir und weine nicht,

mach die Augen zu.

 

Ich flechte dir aus meinem Haar

eine Wiege, sieh!

Schläfst drin aller Schmerzen bar,

träumst drin ohne Müh’.

 

Meine Augen sollen dir

blinkend Spielzeug sein.

Meine Lippen schenk’ ich dir –

trink dich in sie ein.

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Copyright © 1980 by Hoffmann und Campe Verlag, Hamburg

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